Ukulelen-Festival Helsinki

Impressionen vom internationalen Ukulelen-Festival in Helsinki (21. - 23 August 2009)

Am 23. August 1879 landeten portugiesische Seefahrer auf Hawaii – mit einer Ukulele im Gepäck … Anlässlich ihres 130sten Geburtstages hatte das FUN (Finnische Ukulelen Netzwerk) zum 2. Internationalen Ukulelenfestival geladen:
Ein tolles Programm voller Lifemusik, Workshops und anderer Events lockte in eine mir unbekannte Stadt – und so saß ich denn am Freitag voller Vorfreude im Flieger Richtung Helsinki – mit einer Ukulele im Gepäck…
Erste Überraschung bei Ankunft: Das Wetter! Warm und sonnig, blieb es uns das ganze Wochenende erhalten; perfekt!

Netterweise wurde ich von Juha persönlich vom Flughafen abgeholt – trotz des zeitlichen Stresses – weiß der Himmel, wie er es hinbekam, für sämtliche Künstler und Bands den Transfer zwischen Flughafen, Hotels und den einzelnen Veranstaltungsorten (mit dem gesamten Equipment!) zu organisieren – und „nebenbei“ auch noch das Festival, seine eigenen Auftritte mit seiner Band „Bastardos Sympaticos“ und…und..und… – Respekt!
Noch ein bisschen akklimatisieren – dann ging es schon los mit dem Programm auf der Open-Air-Bühne mitten auf der „Esplanade“, der grünen Flaniermeile Helsinkis nahe dem Hafen; am Wochenende und bei diesem herrlichen Wetter stark frequentiert von einer bunten Mischung aus Touristen und Finnen in Wochenend-Laune.

Den Anfang machten Uni & her Ukulele (USA) mit eigenen und gecoverten Songs, Paul Moore (ISR) (dazu später mehr!) und Elvira Bira (Schweden) und Band (Punk auf der Ukulele) – was für eine super Stimme Elvira auch unplugged hat, konnte man später an anderen Orten erleben- wow!

Später ging es in der „Mendocino-Bar“ weiter, dem Stammsitz der finnischen Ukulelen-Szene (und an diesem Wochenende Festival-Treffpunkt), sowie in der der „Boothill-Bar“ und dem „Cafe Aula Bar“; alle Bars lagen wenige Gehminuten auseinander und gleichzeitig nahe dem wunderschönen Art-deco- Kino, in dem weitere Attraktionen des Festivals stattfand: Filme mit und über die Ukulele sowie die „Geburtstags-Gala der Ukulele“ am Samstagabend; mit Verlosung einer „Helsinki Tenor“. Leider musste ich den Heimflug später mit (nach wie vor) nur einer Ukulele im Gepäck antreten…

Gegenüber vom Mendocino gab es noch auf einer kleinen Grünfläche, auf der der „Flea-Market“ aufgebaut war; hier fand z.B. der Blues-Workshop von Pete Howlett (wegen des schönen Wetters einfach nach draußen verlegt) und am Sonntag „Ukulele for Kids“ statt; bei dieser Aktion wurden nicht nur Kinder gekonnt von Paul Moore animiert, mal die Ukulele auszuprobieren – auch die Eltern griffen gerne zu, die kostenlos zur Verfügung gestellten Instrumente (von Flea-Instruments) zu testen, und anschließend wurde eine kleine Band gebildet; alle hatten sichtlich ihren Spaß!

Ukulelen selbst gebaut!

Besucher, die bereits am Mittwoch anreisen konnten, hatten die Möglichkeit, innerhalb von drei Tagen ihre eigene Ukulele zu bauen – unter der Anleitung von Pete Howlett, Ukulelenbauer aus Wales – auch wenn ich sie nur ohne „Finish“ und noch ohne Saiten anschauen konnte: wunderschöne Hölzer, die Kopfplatte und der Halsansatz im eigenen Design – das ist schon was ganz Besonderes!

Auf den verschiedenen Bühnen konnte man an diesem Wochenende noch Shelley O`Brien (CA) und Rol Junell & his Hawaiian Novelty Orchestra (FIN) erleben. Schon seltsam: Da haben sich in einem finnischen Städtchen irgendwo ganz im Norden diese Musiker getroffen, um den typischen hawaiianischen Sound mit Steelguitar, Bass, Gitarre und (leider nur einer!) Ukulele auf die Bühne zu bringen. Stilgerecht umrahmt wurde das Festival von den graziös dargebotenen Hula-Tänzen der finnischen Gruppe Taurua. Besonders beeindruckt hat mich Ukulelezaza (B/NL) – nicht nur auf der Bühne, sondern auch bei der „Open stage“, mit der jeder Abend ausklang. Nenn einen Song und die gewünschte Tonart, und schon legt er in seinem virtuosen Stil los… davon bin ich Lichtjahre entfernt… seufz! Nicht zu vergessen: die Filme rund um die Ukulele!

Ukulelen-Festival Helsinki

Ein besonderes Erlebnis: Der Stummfilm „Freshman“ (von 1925) mit Harold Lloyd und mit musikalischer Begleitung von den „Bastardos Sympaticos“ und dem FUN-Ensemble sowie Paul Moore, live mit Ukulele und Waschbrett – 70 Minuten lang!
Uff… eigentlich müssten Paul nach diesem Waschbretteinsatz die Hände abfallen – aber er spielte später unbeirrt im Mendocino weiter… Allein die Abende nach dem offiziellen Bühnenprogramm waren diese Reise wert: In entspannter Atmosphäre wurde in ständig wechselnden Formationen geukelt, gefachsimpelt und gejammt. Es war wirklich einfach, Kontakte zu knüpfen – trotz meiner bescheidenen Englisch-Kenntnisse… Und überhaupt – gehen die Finnen niemals schlafen???
Nachts (oder besser morgens?) um vier Uhr sieht’s hier in der Innenstadt aus wie bei uns zur besten Sommerschlussverkaufszeit in den Einkaufszentren! Alles voller Leute! Erstaunlich: Selbst die horrenden Preise für Alkohol halten viele Finnen nicht von einem ausgiebigen Samstag-Abend- Rausch ab… Nach dem Motto: Wenn schon, denn schon!

Helsinki ist mehr als einen Besuch wert!

Helsinki selbst hat mir sehr gut gefallen. Viel Zeit für ausgiebige Besichtigungstouren blieb zwar nicht, aber das, was ich von dieser Stadt gesehen habe, hat mich überzeugt: ich war zwar zum ersten, aber bestimmt nicht zum letzten Mal hier.
Im Café „Aula“ fand am Freitag die „Luthiers tea time“ statt. Ukulisten und Ukulelenbauer trafen sich, und Ukulelezaza stellte die Instrumente von Juha Lottonen , Pete Howlett und Claus Mohri wertfrei vor. Es wurde gefachsimpelt, es wurden Fragen gestellt und beantwortet, es wurde Kaffee und anderes getrunken, und es wurde natürlich gejammt. Ergebnis der Diskussion: Man benötigt nicht unbedingt tiefgeflammtes Koa, um eine gute Ukulele bauen zu können.

Besonders am Herzen liegt mir Paul Moore und sein Projekt „Ukulele for Peace“. Paul lebt in Israel und erlebt die Probleme, die in vielerlei Formen zwischen Arabern und Israelis bestehen. Mit jüdischen und arabischen Kindern hat er das „Ukulele for Peace“-Orchestra gegründet und versucht so, mit Hilfe der Musik die Vorurteile zu überwinden. Ein tolles Projekt, das viele von euch kennen werden und von dem man in Zukunft sicher noch einiges hören wird! Wer sich näher informieren möchte und/oder es unterstützen mag, findet hier Näheres. Paul ist Lebenskünstler; seine Instrumente aus weggeworfenen Sachen gebaut (er war etwas enttäuscht, das Helsinki so aufgeräumt ist und nichts Brauchbares herumliegt), seine Ukulele eine „Cookielele“ – den Korpus hat er mit einer alten Keksdose repariert – und das Equipment seiner „One-Man-Band“ ein unbeschreibliches Sammelsurium skurriler Einzelteile ( was bestimmt beim Security-Check am Flughafen „Spaß“ bereitet hat...). Auf seiner Visitenkarte steht: Paul Moore – Sänger, Musiker, Schauspieler, Geschichtenerzähler, One-Man-Band, Umweltkünstler, Träumer….
Viele weitere Erlebnisse werde ich in guter Erinnerung behalten:

• die nette, familiäre Aufnahme bei Juha und seiner Familie
• die nächtlichen „Treppenhaus-Sitzungen“ mit seinem selbstgebrauten Bier,
• der stimmungsvolle Abend am See (mit Sonnenuntergang und Ukulelenbegleitung),

und natürlich das traditionelle, wenn auch etwas wehmütige Abschluss-Essen im Restaurant „Maya“, zu dem Juha geladen hatte. Diejenigen, die noch nicht auf dem Heimweg waren, wurden mit köstlichen Salaten, mexikanischen Pizzen, Fischgerichten, Hühnchen und, und, und, … verwöhnt.

Vieles ließe sich noch erzählen… - würde aber diesen Rahmen sprengen. Einige Fotos gibt`s hier! Claus Mohri, mein “Mitautor”, und meine Wenigkeit sind uns einig: Es war ein gelungenes Festival: die freundliche Aufnahme, die Herzlichkeit und die unglaubliche Gastfreundschaft der dortigen Ukulelenscene war umwerfend! Es war wunderschön - wir kommen wieder!

Der Bericht stammt von „Scrabble“, Mitglied im 1. Deutschen Ukulelenclub, der uns den Text freundlicherweise zur Verfügung stellte.